Katrin Alvarez´ Bilder

2011 // Hans-Thomas Gosciniak

"Ohne jeden Zweifel spiegeln die Bilder von K.A.S. das Können und die Technik einer großen Künstlerin wider, die verschiedenste und eigenartige Materialien zu neuen Expressionen von Formen, Oberflächen und Konturen verschmelzt.  Auf den ersten Blick erregen die Bilder Neugierde, gefolgt von Bewunderung, bei weiterer Annäherung erschrecken sie den Betrachter, verzaubern ihn, fordern ihn heraus.

Mit einer Anwandlung von Staunen und Furcht berühen sie unbestimmte aber fühlbare Punkte im tiefen Inneren. Der geschulte Verstand sucht vergeblich nach logischen Erklärungen, muss dabei aber erkennen, dass das Bild eine ihm eigene Logik induziert.

Andre Breton behauptet in seinem 1. Manifest 1924, Kunst sei die Expression von Vorstellung, enthüllt in Träumen. Wenn wir seine politischen Ambitionen und Verbindungen zum Dadaismus außer Acht lassen könnte er sich über die Kunst von K.A.S. ausgelassen haben, indem er konstatiert: „Surrealismus ist der Ausdruck der Sehnsucht, die Grundlagen des Realen zu vertiefen und ein klareres und gleichzeitig leidenschaftlicheres Bewusstsein der von den Sinnen vermittelten Welt zu schaffen.“

Und doch gehen die Bilder von K.A.S. weit darüber hinaus. Ohne Rückgriff auf das Automatische Zeichnen, den Bewussteinsstrom finden wir ausgeprägte Anteile des Verismus die en detail eine eine Parallelwelt zum Reich der Träume schaffen.  Kombiniert man diesen veristischen Zugang mit dem Magischen Realismus, Elementen des Symbolismus und eigenen Erfahrungen, Träumen und Phantasien tritt man ein in eine neue Dimension ein, die Sur-Realität.  Diese neue übergeordnete Realität ist die Schöpfung einer traumartigen Impression, in der reale und phantastische Bilder in scheinbar sinnlosem Stil arrangiert werden.  Der Versuch, solche Bilder mit dem Filter der Intellektualität zu verstehen wird scheitern – das erschreckende Arrangieren des Schönen in Polarität zum Finsteren überrennt die rationalen Schutzmechanismen und hinterlässt einen spontanen Eindruck im Bewusstsein.

Wenn K.A.S. ihre Bildwelt komponiert benutzt sie die unterschiedlichsten Elemente der Realität, gemalt mit höchstem Detailbewusstsein und setzt sie dann in die spannungsgeladene Polarität zwischen Traumbild und Wirklichkeit.  Ihr Symbolismus ist völlig frei von der Ikonographie Jungs und stellt so eine Kunst dar, die im tiefen Sinn persönlich, oft auch magisch ist. Diese Form der Kunst wird oft fälschlich und oberflächlich als unmittelbare Manifestation des Unbewussten interpretiert. In der Tat bedarf es eines sehr bewussten Vorgehens um ein solches Meisterwerk zu schaffen, dass den Betrachter in einer Weise trifft, die keinen Raum zur freien Assoziation mehr lässt.

Hier ist es die  bewusste Vorstellungskraft des Betrachters, die eine Illusion von Raum-Materie-Zeit schafft, abgehoben von der Realität. Die Realität des Gemäldes nämlich ist unbewegt, unbelebt, eine zweidimensionale Schicht von Farben und Materialien auf einer Grundfläche.  Die Sur-Realität im Betrachter ist gänzlich anders: sie wird zu einer subjektiv-persönlichen Wahrheit, zusammengesetzt aus biographischen Traumata und Erfahrungen, Lebenseinstellungen, Zeitgeist, emotionalem Zustand, sozialer Umgebung und kultureller Prägung."

Hans-Thomas Gosciniak