Über die Grenzen schöner Bilder hinaus

2011 // Robert Berry

„Gute Frage Katrin. Dies ist sicherlich ein interessantes Thema für mich, da ich finde, dass Greenbergs "Avant-Garde and Kitsch" einer der besten Aufsätze/Essays/Abhandlungen ist, der in den letzten 100 Jahren geschrieben wurde. Greenberg teilte die kreativen Prozesse in Kunst und Kitsch ein. Dem kann ich zustimmen, allerdings würde ich beim kreativen Schaffen zwischen Kunst und Kunsthandwerk unterscheiden. Kunst ist hierbei in Form der "schönen Künste" das eine Ende des Spektrums. Großartige Konzepte und Ideen, die in visueller oder literarischer Ästhetik münden. „Kunst“ muss als Kunst betrachtet werden, aber das Endergebnis muss nicht zwangsläufig eines sein, das optisch oder handwerklich erfolgreich ist. Ich mag zum Beispiel die Ideen von Christo und Jean-Claude, und einige der Endergebnisse würde ich als sehr geschmackvoll/schön bezeichnen, beispielsweise The Gates and Surrounded Islands, wohingegen seine Verpackungswerke und Running Fence in meinen Augen nur auf konzeptioneller Ebene als Erfolg gewertet werden können.

Unter „Kunsthandwerk“ versteht man die zeitaufwendige Arbeit, die entweder elegant oder funktionell sein sollte. Dekorative (angewandte) Kunst, Möbelkunst, die meisten figürlichen Porträtmalereien, etc. – nur einige wenige dieser Objekte gehören zur „Kunst“, die meisten kann man nicht dazu zählen. Eine wunderschön verzierte Kirche oder das detailliert ausgeführte Porträt eines Präsidenten fallen in meinen Augen unter „Kunsthandwerk“. Viele abstrakte Künstler verfügen über kein Konzept, und „malen nur des Malens wegen“. In meinen Augen handelt es sich hier also um Kunsthandwerk. Wenn der Künstler mit einer grundlegenden Idee beginnt, oder Grenzen überschreitet, dann ist es „Kunst“. Ich zum Beispiel beginne meine Arbeit mit konzeptionellen Ideen, bei der Umsetzung bediene ich mich dann aber meistens eher „kunsthandwerklicher“ Vorgehensweisen/Techniken. Worunter diese Art von Künstlern fällt, das mögen Öffentlichkeit und Kritiker entscheiden.

Wenn die Aussage eines Werkes „nur“ ästhetischer Art ist, müsste ich es dem „Kunsthandwerk“ zurechnen.

Ihre Werke beinhalten ein gewisses Etwas, und darin liegt ihre Stärke, aber Sie werden es niemals allen Recht machen können. Die meisten Menschen mögen lediglich „schöne Bilder“, aber die Künstler, die im Laufe der Geschichte gefeiert werden, sind diejenigen, die Grenzen überschreiten und Chancen wahrnehmen. Ich glaube, wenn Sie beschließen würden, etwas „Schönes“ zu malen, wären Sie technisch gesehen extrem erfolgreich, aber Ihr Herz wäre nicht bei der Sache, und daher würde das Ergebnis als „Kunsthandwerk“ definiert werden müssen. Sie selbst würden es wahrscheinlich „kitschig“ finden, aber Sie würden fast mit absoluter Sicherheit mehr Bilder verkaufen. Viele „Künstler“ verdienen auf diesem Wege viel Geld, aber das ist definitiv nichts für mich. Sicher, ich liebe Monet, aber ich würde NIEMALS selbst so wie er malen wollen.

Das ist der Grund, warum die meisten Künstler ihr Leben lang einem „normalen“ Beruf nachgehen, weil sie Geld zum Leben verdienen müssen, aber eben genau, um die Kunst machen zu können, die sie machen MÖCHTEN. Selbst Dalí hat mit der Herstellung von „gewerblicher“ Kunst begonnen, um Geld zu verdienen, und seinen Namen unter fast alles gesetzt. Die ehrliche Wahrheit ist, dass ich in der Galerie mehr Geld verdienen könnte, wenn ich „schöne Landschaften“ ausstellen und verkaufen würde, aber das ist nicht der Grund, aus dem ich meinen Beruf gewählt habe. Ich bin hier, um großartige „Kunst“ zu fördern und die Welt zu verändern."

 

Robert Berry, Direktor und Senior Curator der Icosahedron Gallery NY